Sich frei atmen

Nicht nur im Yoga hat die Art, wie wir atmen eine ganz zentrale Bedeutung. Der Atem ermöglicht erst unser Leben. Er versorgt uns mit Lebensenergie, und ohne den Atem wären wir innerhalb kürzester Zeit nicht lebensfähig. Der Atem beseelt unseren Körper.

Der Atem geht immer mit den Emotionen mit. Wir alle kennen Redewendungen wie „Mir stockt der Atem“, „außer Atem sein“, „atemberaubend“. Und tatsächlich: Wenn wir in eine unangenehme Situation kommen und es uns gelingt, unseren Atem zu spüren, werden wir feststellen, dass sich unser Körper an einer ganz bestimmten Stelle vielleicht gerade verengt, dass wir uns irgendwie verkrampfen und der Atem nicht mehr ruhig ein- und ausströmen kann. Umgekehrt kann man über die Art der Atmung ebenfalls Stimmungen erzeugen. Das funktioniert deshalb, weil der Atem sowohl bewusst als auch unbewusst gesteuert wird. In Wahrheit vergessen wir nämlich nie zu atmen. Wir machen uns sogar die meiste Zeit überhaupt keine Gedanken über unseren Atem. Im Yoga jedoch arbeiten wir besonders viel mit Atemtechniken. Mit Hilfe von Pranayama – der Kontrolle der Lebensenergie – gelingt es uns, in tiefe Schichten unseres Seins zu gelangen. Vom Bewusstsein in die Tiefen unserer Seele.

Ich lade Dich ein, Dich einmal aufrecht zu setzen oder auch zu stellen und Dir vor Deiner Wirbelsäule in Deiner vertikalen Körpermitte einen Kanal vorzustellen, durch den Du ein- und ausatmest. Wenn Du das Chakren-System kennst, dann atme vom Wurzel-Chakra durch alle Chakren hindurch bis zum Scheitel ein und in umgekehrter Reihenfolge wieder aus. Falls Du mit den Chakren nicht vertraut bist, dann beginne mit dem Einatmen bei Deiner Körperbasis – dort also, wo Du mit dem festen Untergrund in Kontakt bist – und atme von hier aus nach oben ein und von dort durch diese Achse wieder nach unten aus. Du wirst nach kurzer Zeit vermutlich spüren, wo  in Deinem Körper Bewegung entsteht, wo sich Atemräume öffnen und wo der Atem auf einen Engpass trifft und nur schwer durchfließen kann.

Diese Engpässe oder auch Erstarrungen sind ein wichtiger Hinweis auf vielleicht vergangene Erfahrungen, die aber so in unserem Körper gespeichert sind, dass sie unsere Lebensenergie einschnüren. Wenn wir uns erlauben, bewusst in diese Körperbereich ein- und auszuatmen, unsere Atemräume dort zu öffnen, haben wir die Chance, dass wir diese Erfahrungen schließlich auch irgendwann gehen lassen können, dass wir durchlässig werden und frei für neue Erfahrungen. Durch den Atem kommen wir in unsere eigene Mitte, wir erfahren uns selbst und sind dann in der Lage, im Einklang mit unserer Seele und aus unserer Mitte heraus zu handeln.

Atem ist Leben. Und Leben ist Bewegung.

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